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Zwischen Superstars und Nachwuchshoffnungen

Fanbericht von der EuroBasket 2009


Wie schockte die Nachricht den deutschen Basketballfan, dass das Aushängeschild der Nationalmannschaft in diesem Jahr nicht an der Europameisterschaft in Polen teilnehmen würde. Es wurden Horrorszenarien erstellt, was die Zukunft des deutschen Basketballs angeht, kurzfristig für das Abschneiden bei dieser EM, aber auch langfristig für den in absehbarer Zeit anstehenden endgültigen Abschied Dirk Nowitzkis.

Wie einige BB-Begeisterte aus verschiedenen Städten Deutschlands machten meine Freunde und ich aus Bonn uns dennoch auf den Weg in unser Nachbarland, um das neuformierte Team zu unterstützen. Die jeweiligen Spielorte der Vor-, Zwischen- und Endrunde luden in der spielfreien Zeit durch ihre besondere geschichtliche Bedeutung zum Sightseeing ein. So standen u.a. die Besichtigung der Westerplatte (Danzig), der Marienburg, des malerischen Städtchens Torun (Nähe Bromberg) und des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz (Nähe Kattowitz) auf dem Programm.

Tuchi mit EM-Maskottchen Mieszko

(Foto: R. Berhausen)

Sportlich wurde der jungen Auswahl des DBB in den Spielen gegen Frankreich (mit NBA-Star Tony Parker), Russland und Lettland höchstens eine Außenseiterchance zugetraut und die Anhängerschaft stellte sich auf eine Vorrunde mit drei Niederlagen ein. Umso euphorischer wurde der sehr überraschende wie überzeugende Sieg gegen das Team aus Russland von Fans und Mannschaft gemeinsam gefeiert. Schon bei der knappen Auftakt-Niederlage gegen Frankreich zeigten gerade die jungen Spieler der deutschen Auswahl keine Nervosität oder Angst vor großen Namen und begeisterten uns rund 100 deutsche Schlachtenbummler auf der Tribüne besonders dadurch, dass sie auch in entscheidenden Spielsituationen Verantwortung übernahmen. Der „Fanclub Deutsche Nationalmannschaft“, einheitlich gekleidet mit T-Shirt und DBB-Schal, sorgte mit einer Trommel, Tröten und Geschrei in beiden Spielen für Heimspiel-Atmosphäre. Die Entscheidung um den Einzug in die Zwischenrunde musste im abschließenden Gruppenspiel gegen die von ca. 2.000 Fans unterstützten Letten fallen. Durch die besondere Konstellation bezüglich direkten Vergleichen, Korbdifferenzen und FIBA-Koeffizienten haben wir auf der Tribüne vor der Partie eifrig gerechnet, da auch eine Niederlage nicht zwingend das Ausscheiden nach sich ziehen würde. In einer hochklassigen, spannenden und sehr hart geführten Partie reichte es letztlich zum umjubelten „gefühlten Sieg“, einer Niederlage mit 6 Punkten. Die Mannschaft haben wir natürlich - in der Halle und auf dem Weg zum Bus - überschwänglich gefeiert.


Die Teilnahme an der Zwischenrunde stellte nun die Kür für eine, aus deutscher Sicht, zu diesem Zeitpunkt schon erfolgreiche EM dar. Das junge Team hielt gegen die mit europäischen Spitzenspielern angetretenen Griechen sehr gut mit und verlor mit der einzigen schwächeren Turnierleistung deutlich gegen die treffsicheren Mazedonier. Im letzten Spiel gegen Kroatien, der Möglichkeit, mit einem Sieg in die Endrunde einzuziehen, fehlte am Ende ein wenig das Glück. Unermüdlich von den deutschen Fans unterstützt – in der Zwischenrunde waren ca. 50 dabei – gab die Mannschaft nie auf und überzeugte durchweg mit einer tadellosen Einstellung und einige der jungen Spieler nutzten die Chance, sich ins Rampenlicht zu spielen. So wurde jeder Akteur nach dem letzten Spiel bejubelt und der „hängende Kopf“ verwandelte sich bei den meisten in ein „zufriedenes Lächeln“… Ich persönlich richtete meinen Dank in dieser Situation in erster Linie an den Bundestrainer, der durch die mutige Teamzusammenstellung und das Vertrauen in die Jugend den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft des Nationalteams gelegt hat.

Für mich und ein paar „Hardcore“-BB-Fans ging die EM nun mit der Endrunde als neutrale Beobachter weiter. Ein wenig enttäuscht waren wir, dass die Auswahlmannschaft des Gastgeberlandes, ebenso wie unser Team, bereits in der Zwischenrunde ausgeschieden war. Als Folge aus diesem Umstand rechneten wir mit einer eher mäßig gefüllten Halle und einer entsprechend lauen Stimmung auf den Rängen. Diese Sorge stellte sich jedoch zu unserer Freude als völlig unbegründet dar. Die Viertel- und Halbfinals boten hochklassige Duelle mit einer großen Anzahl an europäischen Spitzenspielern, das Finale gewannen die überlegenen Spanier um ihren MVP Pau Gasol deutlich gegen Serbien. Der Support in der Halle, geprägt von Spaniern, Griechen, Slowenen und Litauern, obwohl selbst bereits ausgeschieden, war gigantisch und ein großes multikulturelles Fest. Beeindruckend wirkte hierbei auf mich besonders die immer fröhliche Gruppe der griechischen Fans, die nach jedem Spiel ihrer Mannschaft – egal ob gewonnen oder verloren – stets auch den Schlachtruf des Gegners anstimmte und diesem so auf sympathische Art ihren Respekt erwies.


Der großartige Sport, die grandiose Atmosphäre und die Perspektive der „neuen“ deutschen Mannschaft bleiben als Erinnerung an eine zweiwöchige BB-Party.

Tuchi


Aus:
"Tip-Off - Das Fanmagazin der Skybembels", Ausgabe 1 - Saison 09/10.


 

Berichte

FC-Treffen 2010: Resumee Fanbericht von der EM 2009

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