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Ende und Anfang in einem

Spanien1Aus und vorbei. Die Gruppe B ist ihrem Ruf als Todesgruppe gerecht geworden. Drei gute Leistungen gegen Topteams reichten für die DBB-Auswahl zu keinem einzigen Sieg. Während 16 andere Nationen in der kommenden Woche den Sieger der EuroBasket 2015 ermitteln, fahren die deutschen Spieler zurück zu ihren Vereinen und steigen dort in die Saisonvorbereitung ein. Es gab kein zweites Sommermärchen wie beim letzten Heimturnier 1993. Nach dem Vorrunden-Aus überwiegt die Enttäuschung. Doch so bitter das frühe Ausscheiden auch ist, die Spiele in Berlin zeigten auch eine Menge über das sich die deutschen Basketball-Fans freuen können. Dieses Team hat Potential, das zeigte Flemings Jungs auch gegen Spanien. Am Ende fiel eben wieder einmal der eine Wurf zu wenig.

Der DBB-Auswahl gehört die Zukunft. Dieser Satz trifft auch die Mehrheit des zwölfköpfigen Kaders zu. Nur ein Spieler hat heute wohl sein letztes Länderspiel absolviert. 152 mal lief Dirk Nowitzki für die deutsche Nationalmannschaft auf. Er führte sie sensationell zu WM-Bronze 2002 und trug das Team drei Jahre später sogar ins Finale der Europameisterschaft. Niemand hätte es ihm böse genommen, wenn er sich diesen Sommer auf seine alten Tage erneut frei genommen hätte. Doch im Gegenteil zu einigen anderen vermeintlichen Nationalspielern quälte sich Dirk noch einmal durch eine strapaziöse Vorbereitung und gab auch in der Mercedes-Benz-Arena alles.

Natürlich hatte er mit 37 Jahren auf dem Buckel nicht mehr den Einfluss auf das Spiel, den er vor zehn Jahren hatte. Doch 14 Punkte und 8 Rebounds im Schnitt sind immer noch aller Ehren wert. Als Nowitzki die Halle als letzter deutscher Spieler unter Standing Ovations verlies, gab er den Staffelstab endgültig an die nächste Generation um Dennis Schröder weiter. Der Aufbauspieler war auch gegen Spanien wieder nicht fehlerfrei geblieben. So vergab er den letzten Freiwurf, der das Spiel in der Verlängerung hätte bringen können. Doch kann man das einem 21-Jährigen verübeln, der in der Nationalmannschaft eine viel größer Rolle spielen soll als er es im Verein tut? Entscheidende Freiwürfe haben immerhin schon Spieler eines ganz anderen Kalibers vergeben.

Coach Fleming fand auf diese Frage schon gestern eine eindeutige Antwort: „Er ist der zweitjüngste Spieler im Team und hat die meisten Minuten gespielt. Im fehlt in diesen knappen SituationenSpanien2 wie gegen Serbien und Italien einfach noch die Erfahrung. Aber er und die anderen Spieler seiner Generation haben eine Menge Potential. Ich habe diesen Job angenommen, um Ihnen zu helfen dieses zu entfachen.“ In Berlin mag das noch nicht vollkommen gelungen zu sein. Doch der größte Fehler wäre nun wieder von vorne anzufangen. Die deutsche Nationalmannschaft hatte in den letzten fünf Jahren fünf verschiedene Bundestrainer. Wie sollen sich da die am Ende eines Spiels so wichtigen Abläufe automatisieren. Das Team braucht Kontinuität.

Wie sehr dieser Faktor helfen kann, haben die Spanier in den vergangenen Jahren und auch heute besten bewiesen. Auch wenn die Iberer ebenfalls einige hochkarätige Ausfälle zu beklagen hatten, der Kern der Mannschaft um Sergio Rodriguez, Pau Gasol und Rudy Fernández spielt schon seit Jahren zusammen. Folglich lief Ball gut durch die Reihen der Roten und die Quoten waren hoch. 5:40 Minuten vor dem Ende führten die Spanier mit 10 Punkten und alles sah nach einem Favoritensieg aus. Doch das deutsche Team startete noch einen letzten Angriff. Durch einen Schulterschluss der Veteranen und der Youngster kämpfte sich die DBB-Auswahl wieder Punkt für Punkt heran.

Durch Dreier von Nowitzki, Maodo Lo, der mit 14 Punkten sein bestes EM-Spiel machte, und Schröder war der Sieg und das Achtelfinale auf ein Mal wieder in Reichweite. Die Spanier behielten zwar von der Freiwurflinie die Nerven und erhöhten den Vorsprung wieder auf drei Zähler, doch anschließend unterlief Pau Ribas ein Riesenbock. Er foulte Schröder bei dessen letzten Versuch das Spiel von Downtown in die Verlängerung zu schießen. Der Iberer servierte dem Aufbauspieler die Chance zum Ausgleich auf dem Silbertablett. Schröder hatte bis dahin keinen Wurf von jenseits der 5,80 Meter verworfen. Dementsprechend sicher verwandelte die deutsche Nummer 17 auch seine ersten beiden Freiwürfe und erhöhte sein Punktekonto damit auf 26.

Nur der letzte Wurf wollte einfach nicht fallen, sondern sprang vom Ring zurück in Pau Gasols Hände. Nun ist es müßig darüber zu diskutieren, ob der Druck zu groß war oder Schröder einfachen den einen von zehn Würfen daneben setzte, der auch den besten misslingt. Fest steht nur die Niederlage und die schmerzte die Spieler sehr. So fiel Maodo Los Fazit zum Spiel auf der Pressekonferenz entsprechend kurz aus: „Es ist einfach hart dieses Spiel zu verlieren, wenn man weiß, wie viel wir alle in diesen Sommer investiert haben, um besser abzuschneiden. Das tut einfach weh.“

Coach Fleming stimmte dem zu: „Wir wollten Dirk einen würdigen Abschied aus der Nationalmannschaft bescheren. Leider hat das nicht geklappt. Aber die EM war dennoch eine wertvolle Erfahrung für die ganzen jungen Spieler. Trotz der Absagen und Verletzten haben alle, die dabei waren, bis zum Ende gekämpft. Ich freue mich schon auf den nächsten Sommer mit den Jungs.“

Wenn die DBB-Auswahl über die nächsten Jahre in Bestbesetzung antreten kann, sollte irgendwann auch wieder der Einzug in die K.O.-Runde möglich sein – vielleicht sogar bei einem weiteren Turnier im eigenen Land. Immerhin will sich der DBB um die Weltmeisterschaft 2023 bewerben. Viele der Spieler aus dem aktuellen Kader wären dann im besten Basketball-Alter. 2015 kam das Turnier für diese Akteure einfach noch zu früh – abgesehen von Dirk Nowitzki natürlich. Doch der dürfte trotz der drei knappen Niederlagen gegen Serbien, Italien und Spanien froh sein überhaupt einmal die Möglichkeit gehabt zu haben, in einem großen Turnier auf heimischen Boden aufzulaufen. Die Fans haben es genossen, Niederlagen hin oder her.

 

Gerrit Lagenstein, Fan-Reporter

10.09.2015 | 0 Kommentare

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