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Fan-Reporter: Den Kampf angenommen und doch verloren

ItalienIm gestrigen Spiel gegen die Türkei stimmte so ziemlich gar nichts. Die Wurfquote war schwach und die defensive Intensität ließ zu wünschen übrig. Gegen Italien präsentierte sich die deutsche Mannschaft in einer ganz anderen Form. Schon früh fielen Würfe aus allen Lagen und es wurde nach jedem Ball gesprungen. Nur genutzt hat es nichts. Am Ende steht wieder eine Niederlage zu Buche und damit ein Ausgang, den dieses Team für die erbrachte Leistung nicht verdient hat. Nun gilt es morgen die letzte Chance zu nutzen.

Es ist das alte Dilemma: Foulen oder nicht? Die DBB-Auswahl führt 27 Sekunden vor dem Ende mit 3 Punkten, Italien hat Ballbesitz. Mit Variante b hat die Nationalmannschaft 2001 bei der EM einst auf beeindruckende Weise recht schlechte Erfahrungen gemacht. Der damalige Bundestrainer Henrik Dettmann entschied sich im Halbfinale in einer ähnlichen Situation nicht zu foulen. Die Türkei traf den Dreier. Deutschland verlor in der Verlängerung. 14 Jahre später will das deutsche Team diesen Fehler nicht nochmal machen und doch ergibt sich der gleiche Ausgang.

Gallinari wird an die Linie geschickt und verwandelt beide Würfe. Nun machen die Italiener von „stop-the-clock“ Gebrauch. Dennis Schröder macht sich bereit und …. vergibt Freiwurf Nummer eins. Auch wenn er den zweiten trifft, ist es für den überragenden Gallinari anschließend kein Problem das Spiel in die Overtime zu schicken, wo Italien letztlich die Oberhand behält.

Knapp 2 Stunden vorher ahnte noch niemand der 13.050 Zuschauer etwas von diesem Szenario. Die Mehrheit dem Fans blickte dem Tip-Off nervös entgegen. Für den Traum von der Qualifikation für Rio wäre ein Sieg gegen die Südeuropäer eminent wichtig. Nur zeigte das deutsche Team am Vortag eine wenig ansprechende Leistung, während die Italiener Spanien nur so aus der Halle schoss. Doch die DBB-Spieler blieben sich treu in diesem EM-Turnier. Auf eine schwache Leistung folgte wieder ein starkes Spiel.

Italien2Dass Deutschland nach vier Minuten 11:5 führte, war aber kein Zufallsprodukt. Bundestrainer Chris Fleming hatte die Startaufstellung gehörig durcheinander gewürfelt. Statt Gavel und Pleiss standen Tadda und Benzing in der Starting Five. Die Italiener hatten gehörige Probleme diese Kombination zu verteidigen und als die ersten Würfe fielen, begann auch das so wichtige Selbstvertrauen wieder zu steigen. So knüpfte vor allem Paul Zipser an seine tolle Form aus dem Island-Spiel an. Er zog mit Dampf zum Korb und ließ in der Defense einen Block gegen Danilo Gallinari folgen.

Dreh- und Angelpunkt der deutschen Offensive war aber einmal mehr Aufbauspieler Dennis Schröder. Der Point Guard der Atlanta Hawks hatte sich die Kritik vom Vortag offensichtlich zum Herzen genommen. Zwar verbuchte er erneut sechs Ballverluste, allerdings standen dem 29 Punkte und sieben Assists gegenüber. Bei allem Lob für den DBB muss allerdings auch erwähnt werden, dass sich Italien in der ersten Halbzeit nie abschütteln ließ. Pünktlich zur Halbzeit ging das Team um den verletzten Kapitän „Gigi“ Datome sogar 42:41 in Führung.

Davon wenig geschockt erarbeiteten sich Nowitzki und Co. auch in der zweiten Hälfte einige vielversprechende Führungen. Doch wenn es eine Sache am Spiel der Deutschen zu kritisieren gab, dann dass sie es nicht schafften, einmal einen Lauf zu starten, um sich richtig abzusetzen. Jedes Mal wenn das DBB-Team drohte in Flammen aufzugehen, spielte ein Italiener den Feuerwehrmann und senkte den Dezibel-Pegel in der Halle damit wieder. Das galt neben Gallinari (25 Punkte) vor allem für seine NBA-Kollegen Andrea Bargnani (17) und Marco Bellinelli (17) sowie den Mailänder Alessandro Gentile (15).

So war der zweifache Europameister auch kurz vor Schluss noch in Reichweite und rettete sich in die Verlängerung, weil das deutsche Team trotz einer Auszeit in 4,5 verbleibenden Sekunden nach „Gallos“ Treffer keinen gescheiten Wurf mehr los wurde. In der Verlängerung kam es dann wie es kommen musste. Dem jungen deutschen Team versagten die Nerven, Nowitzki verfehlte einige Mitteldistanzwürfe und dann wurde auch noch ein vermeintliches Foul an Dennis Schröder nicht gegeben, als Deutschland die Punkte gut hätte gebrauchen können. In dieser Szene sah auch Chris Fleming den Knackpunkt im Spiel: „Wenn wir das Foul kriegen und Dennis die Freiwürfe macht, ist das Spiel ausgeglichen, so hat Italien den Dreier getroffen und wir waren mit fünf hinten.“

Von diesem Rückstand erholte sich das deutsche Team nicht wieder und musste daher die dritte Niederlage im vierten Spiel hinnehmen. Damit muss nun morgen ein Sieg gegen die hochkarätig besetzte Mannschaft der Spanier her, um ins Achtelfinale einzuziehen. Das wird schwer genug. Doch die DBB-Spieler dürfen trotz der bitteren Niederlage jetzt nicht den Kopf hängen lassen. Auch heute hatten die wenigsten mit einem engen Spiel gerechnet, die Mannschaft überraschte die Fans positiv und überzeugte auch den Coach: „Über weite Strecken haben wir richtig guten Basketball gespielt, obwohl wir sie so schwaches Spiel gestern hatten. Auf diese Trotzreaktion der  Jungs bin ich richtig stolz.“

Morgen wird es um 17:45 zum Abschluss der Heim-Vorrunde eine weitere solche Reaktion benötigen. Vielleicht wird der Kampf dann ja auch belohnt – ganz egal wie übermächtig der Gegner auf der anderen Seite scheinen mag.

 

Gerrit Lagenstein, Fan-Reporter

09.09.2015 | 0 Kommentare

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