DER FANCLUB-BLOG

Fan-Reporter: Déjà-vu mit verkehrtem Ausgang

Türkei1Vor der Auslosung der EuroBasket durfte sich jedes der Gastgeberland ein Land für seine Gruppe selbst aussuchen. Der Deutsche Basketball Bund entschied sich für die Türkei. Vielen Ortes wurde diese Entscheidung kritisiert. Warum den eigenen Heimvorteil herschenken? Sicher, heute waren eine Menge Türken in der Halle, aber die deutschen Fans hielten stark dagegen. Dabei gab es zunächst wenig zu beklatschen. Die türkischen Basketballer gingen schnell hoch in Führung und gaben den Vorsprung bis zum Ende nicht mehr her.

Beim Supercup in Hamburg war die DBB-Auswahl vor etwas mehr als zwei Wochen zuletzt auf die Türkei getroffen. Damals gewann die Mannschaft um Kapitän Dirk Nowitzki zwar knapp, doch der Sieg täuschte über den Fakt hinweg, dass die Deutschen grausam in die Partie starteten und im ersten Viertel mit mehr als 20 Punkten hinten lagen. Doch am 23. August spielte der DBB auch ohne den angeschlagenen Dennis Schröder und war generell in einer ganz anderen Verfassung. Vor zwei Tagen hatten die deutschen Korbjäger immerhin den Vize-Weltmeister aus Serbien an den Rand einer Niederlage gebracht. Da sollte gegen die bisher bei der EuroBasket wenig überzeugenden Türken doch ein Sieg möglich sein, dachten sich die Deutschen Fans.

Sie wurden enttäuscht. Bundestrainer Chris Fleming fasste es nach dem Ende des Spiel passend zusammen: „Leider haben wir aus dem Supercup-Spiel gegen die Türken nichts gelernt. Sie haben uns wieder früh attackiert und wir haben dem nichts entgegen gesetzt.“ Trotz der Niederlage verlor der Bundestrainer allerdings nicht seinen Humor. Auf die Frage, wie der Lauf der Türken zu Beginn der Partie zu stoppen gewesen wäre, antwortete er folgendermaßen: „Mit acht Spielern auf dem Feld hätte es vielleicht geklappt. “

Da das Regelwerk dieses taktische Mittel aber natürlich nicht hergibt, musste Fleming mitansehen, wie sich seine Mannschaft früh ein tiefes Loch buddelte, aus dem es nicht mehr herauskommen sollte. Dank zwei Dreipunktwürfen von Ali Muhammed ging die Türkei schnell mit 9:0 in Führung. Chris Fleming nahm seine erste Auszeit – ohne erkennbaren Erfolg. Im Gegenteil die Türken um Muhammed, Güler, Ilyasova und Erden spielten sich in einen wahren Rausch. Dank fantastischen 85 Prozent aus dem Feld hatten die Männer vom Bosporus 31 Punkte nach den ersten zehn Minuten auf dem Konto.

Türkei2Als wäre diese defensive Schwäche des DBB nicht schon bitter genug, kam die Offensive de Bundesadler ebenfalls nur schwer in Schwung. Dennis Schröder wirkte mit dem Spielaufbau überfordert und reihte Ballverlust an Ballverlust. So bekam Maodo Lo früh eine Chance es besser zu machen. Die deutsche Nummer vier konnte zwar zweimal per Zug zum Korb punkten, aus der Distanz warf Lo aber ebenso viele Fahrkarten wie seine Teamkollegen.  So konnte die deutsche Mannschaft nur wenig davon profitieren, dass sich auch die Türkei im zweiten Viertel schwer tat, den Ball in den Korb zu werfen. Erst nach 15 Minuten sorgte Semih Erden für die Punkte 32 und 33. Dennoch betrug die Halbzeitführung beim Stand von 24:41 17 Zähler.

Aufgegeben hatten sich die Spieler mit dem Bundesadler auf dem Brust damit aber noch lange nicht. Fleming wollte die Türken in der zweiten Hälfte im Angriff mehr unter Druck setzen und damit zu Ballverlusten zwingen. Also startete er überraschend mit Karsten Tadda auf der Zwei. Die Rechnung ging zunächst auf. Deutschland verkürzte auf 10. Doch die umstrittenen Fouls 3 und 4 gegen Big Man Tibor Pleiss innerhalb von wenigen Sekunden drehten das Momentum wieder zu Gunsten der Türken.

Die führten auch fünf Minuten vor dem Ende noch mit 14 Punkten. Doch dann begannen die Würfe der deutschen Schützen auf einmal zu fallen. Schaffartzik und Schröder trafen in aufeinanderfolgenden Angriffen von Downtown. Tibor Pleiss ließ ein Dreipunktspiel folgen. Auf einmal war Deutschland wieder in Reichweite der Türkei und ließ die Halle damit explodieren. Beide Fanlager versuchten nun ihr Team zum Sieg zu schreien – mit dem besseren Ausgang für die Gäste. Am Ende fehlte dem DBB-Team einfach einige Minuten Spielzeit. Trotz 24 Punkten von Schröder und 15 von NBA-Kollege Nowitzki musste sich Deutschland der Türkei mit 75:80 geschlagen geben.

Die Niederlage ist im Kampf um das Achtelfinale ein Rückschlag, doch verloren ist noch nichts. Schon morgen kann die Nationalmannschaft ihre Bilanz durch einen Sieg gegen Italien wieder ausgeglichen gestalten. Hoffnung dafür sollte der starke Schlussspurt und das Comeback von Robin Benzing machen. Der Flügelspieler erzielte nach einer Partie Pause gleich wieder 13 Punkte und fand auch das richtige Fazit zum Spiel: „In der ersten Halbzeit haben wir nicht viel richtig gemacht. Das war nicht akzeptabel. Nach der Pause war es besser. Aber es ist einfach verdammt schwer, so einen Rückstand wieder aufzuholen.“

Damit die DBB-Spieler nicht noch einmal in diese Lage geraten, gilt es aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Zu dieser Vergangenheit gehört auch der knappe Sieg gegen den kommenden Gegner Italien zu Beginn der Vorbereitung. Nicht das es morgen zum zweiten Mal hintereinander zu einem Déjà-vu mit verkehrtem Ausgang kommt.

 

Gerrit Lagenstein, Fan-Reporter

08.09.2015 | 0 Kommentare

Kommentare



Fanzone