DER FANCLUB-BLOG

Fan-Reporter: Gute Stimmung zum schlechten Spiel

DSCN0097??????????Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft hat erneut gegen Polen verloren und muss mehr denn je um die Qualifikation zur Europameisterschaft 2015 bangen. In einem intensiven Spiel unterlag die DBB-Auswahl der polnischen Mannschaft vor 4500 Zuschauern in Bonn mit 76:88 (41:43). Beste Scorer auf Seiten der deutschen Mannschaft waren Dennis Schröder und Daniel Theis mit je 20 Punkten.

Rund vier Stunden vorher: Bei Hallenöffnung herrscht noch Zuversicht und Optimismus. Während die Trommler des DBB-Fanclubs ihre Instrumente aufbauen, gibt es rund um den Fanclub-Stand bereits ein reges Treiben und die ersten mutigen Anhänger versuchen sich beim Dribbel-Contest. Die Aufgabe: in nur 20 Sekunden den Ball so oft wie möglich prellen. Bei 110 oder mehr erfolgreichen Dribblings gibt es einen Fanschal geschenkt. Das gelingt an diesem Tag aber nur den wenigsten.

Gut eine Stunde vor Tip-Off: Die deutschen Spieler um Kapitän Heiko Schaffartzik betreten den Platz und beginnen mit einem ersten lockeren Anschwitzen. Stretch- und Dehnübungen sowie ersten Wurfversuche sind zu sehen. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre, nicht nur bei den Spielern sondern auch auf den Rängen. Noch wird geflachst, über das Spiel gefachsimpelt oder sich an einem der Imbissstände g??????????estärkt. Die ersten polnischen Spieler sind mittlerweile auch in der Halle und beginnen ihrerseits mit ersten lockeren Aufwärmübungen.

Ganz allmählich füllt sich der Telekom Dome in Bonn. Am Stand des Fanclubs Basketball Nationalmannschaft versammeln sich immer mehr Schaulustige, um sich die Dribbelkünste derjenigen anzuschauen, die sich weiterhin an der 110-Dribblings-Marke abmühen. Die Mannschaft ist inzwischen wieder in der Kabine verschwunden um sich nochmal mental auf das richtungsweisende Spiel einzustimmen.

Rund 35 Minuten vor Spielbeginn: Es wird der Fan-of-the-Day gesucht. Lediglich eine Frage trennen den Auserwählten von einem Upgrade für den VIP-Bereich mit Essen, Getränken und bester Sicht auf das Geschehen. Doch als echter Fan ist die Beantwortung der Frage, wie viele Punkte Deutschland im letzten Spiel gegen Luxemburg erzielt hat, natürlich keine Herausforderung. Für alle die es nicht wissen: 109 ist die richtige Antwort.

Eine halbe Stunde vor Tip-Off wird es zum ersten Mal richtig laut in der Halle. Unter dröhnendem Getrommel und Applaus betritt die deutsche Mannschaft erneut das Feld. Diesmal deutlich konzentrierter und fokussierter als beim ersten Aufwärmen. Jeder Spieler wird vom Hallensprecher vorgestellt und holt sich seinen Applaus von den Fans und den Mitspielern ab. Fast unbemerkt betritt auch die polnische Mannschaft das Parkett.

Unterdessen wird am Fanclubstand weiter mit allen erdenklichen Tricks und Mitteln versucht, die 110 Dribblings zu erreichen. Im Stehen, im Knien, mit einer Hand, mit zwei Händen. Alles, was erlaubt ist, wird getestet.

Nur noch 15 Minuten bis zum Spiel: während sich die Halle weiter füllt, beginnen die Schützlinge von Bundestrainer Emir Mutapcic mit der finalen Feinjustierung ihrer Handgelenke, um im Spiel für möglichst viele deutsche Punkte zu sorgen. Es werden Dunkings, Freiwürfe und Dreipunktwürfe geübt. Routine für die noch junge deutsche Mannschaft.

Die Trommler des DBB-Fanclubs sorgen inzwischen für Stimmung und hämmern auf ihren Instrumenten herum. So langsam geht es Richtung Tip-Off.??????????

Nur noch gut 8 Minuten: die polnische Mannschaft wird vorgestellt und von den vereinzelten polnischen Fans beklatscht. Dann ist es endlich so weit: Licht aus, Musik an, Spots kreisen durch die Halle, weißer Rauch stieg auf. Die Zuschauer erheben sich von ihren Sitzen. Unter ohrenbetäubendem Beifall und dem Dröhnen der Trommeln kommt ein Spieler nach dem anderen durch ein Spalier in die Halle, während der Hallensprecher die Namen verliest. Beim NBA-Profi Dennis Schröder wird es besonders laut, denn auf ihm ruhen heute viele Hoffnungen. Dann wird es Zeit für die Hymnen. Zunächst die polnische, anschließend die deutsche. Kurz hält das Trommeln und Klatschen der Fans inne, doch mit den letzten Klänge der Hymne wird es wieder laut.

Es ist soweit: Deutschland gegen Polen. Ein richtungsweisendes Spiel. Der Gewinner hat beste Aussichten sich Platz eins in der Gruppe C zu sichern und sich somit direkt für die EM 2015 zu qualifizieren.

Die Spieler stellen sich zum Tip-Off auf. Bundestrainer Mutapcic schickt zu Beginn Heiko Schaffartzik, Karsten Tadda, Robin Benzing, Maximilian Kleber und Maik Zirbes ins Rennen. Die ganze Halle steht, alle feuern die Mannschaft an. Polen holt sich den Ball und trifft mit dem ersten Wurf. Auf deutscher Seite geht der erste Versuch von Kleber an den Ring. Man merkt den deutschen Spielern den Respekt und die Nervosität deutlich an. Jeder weiß, dass ein Sieg in der Gruppe vorentscheidend sein kann. Den polnischen Spielern ist das jedenfalls bewusst, denn sie agieren äußert aggressiv und kompromisslos in der Defense. Erst nach gut 2 Minuten gelingen Robin Benzing per Freiwürfe die ersten deutschen Punkte. Doch auf der Gegenseite zeigen sich die Polen äußerst treffsicher und versenken gleich den ersten Dreier. In der Defensive gehen sie jedoch hart zur Sache und nach nicht mal fünf Minuten ist die Teamfoul-Grenze schon erreicht. Von den Rängen hallen bei jedem polnischen Angriff laute „Defense, Defense“-Rufe, doch die Mannschaft wirkt schläfrig und unkonzentriert und leistet sich zu viele einfache Ballverluste. Trainer Mutapcic muss bereits nach fünf Minuten die erste Auszeit nehmen und bringt mit Dennis Schröder seinen Top-Spieler aus der NBA. Eben dieser trifft auch gleich mit einem Dreipunktwurf und verkürzt auf 11:13. Doch die Polen spielen nicht nur in der Defensive kompromisslos, sondern zeigen auch in der Offensive, dass sie heute unbedingt gewinnen wollen. Das merkt man dem DBB-Team nicht an. Viele Aktionen werden überhastet oder kopflos gespielt. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass es nach dem ersten Viertel 15:26 aus Sicht der deutschen Mannschaft steht. Die schwache Leistung sorgt auch bei den Fans für Ernüchterung. Immerhin der Fanclub mit seinen Trommlern gibt weiterhin alles.

Zu Beginn des zweiten Viertels lässt Schröder mit einem erfolgreichen Dreier die Zuschauer wieder aufspringen. Deutschland findet nun etwas besser ins Spiel, es gelingt sogar ein 7:0-Lauf. Doch die polnischen Spieler schlagen zurück und ziehen wieder auf 24:36 davon. Gegen Ende der ersten Hälfte gelingen Deutschland drei erfolgreiche Dreier hintereinander. Und nach zwei krachenden Dunks von Daniel Theis sind die Fans wieder voll da und feuern das Team lautstark an. Bis zur Pause kämpft sich Deutschland wieder bis auf zwei Punkte heran. Mit 41:43 geht es in die Kabine.

??????????Während die Spieler neue taktische Anweisungen vom Bundestrainer erhalten, wird den Fans ein kleiner Skills-Contest geboten. Dabei treten zwei Zuschauer gegeneinander an. Zunächst muss der Ball per Korbleger versenkt werden, dann ein kleiner Slalomparcours umdribbelt und der Ball in einem kleinen Korb versenkt werden. Anschließend steht ein Wurf von der Freiwurflinie an, dann geht es wieder zurück. Die Zeit wird dabei gestoppt. Der Gewinner braucht gerade einmal 27 Sekunden. Das Publikum ist begeistert und dank der Aufholjagd der deutschen Korbjäger auch wieder zuversichtlich für die zweite Hälfte. „Das dritte Viertel wird entscheidend sein. Wenn sie den Druck aufrecht halten können, dann packen sie es“, ist sich Trommler Horst vom Fanclub sicher. „Für mich ist das ein gutes Omen: schlecht anfangen und dann gut aufhören.“

Wie schon zu Beginn des Spiels macht Polen auch im zweiten Abschnitt die ersten Punkte. Die DBB-Jungs leisten sich heute einfach zu viele Ballverluste, während die polnische Mannschaft hinten knallhart verteidigt und vorne den Korb trifft. Auch nach vier Minuten im dritten Viertel haben die Mutapcic-Schützlinge noch keine Punkte erzielt und Polen zieht mit einem 12:0-Lauf auf und davon. Dann endlich die ersten deutschen Punkte im dritten Viertel. Dennoch sieht Trainer Emir Mutapcic zunehmend mürrischer aus. Erst nach acht Minuten im dritten Viertel treffen die Deutschen dank Dennis Schröder wieder aus dem Feld heraus. Die Polen sind bis dahin allerdings schon auf 17 Punkte davon gezogen. Dementsprechend ist die Stimmung im Telekom-Dome. Nur aus der Fanclub-Ecke hört man das Trommeln und die unermüdlichen „Defense, Defense“-Rufe, doch das reicht heute einfach nicht aus. Mit 53:66 geht es ins letzte Viertel.

Für dieses scheinen sich die deutschen Spieler noch einmal etwas vorgenommen zu haben und dank eines kleinen Zwischensprints kommen sie wieder bis auf 10 Punkte heran. Dann trifft Schröder drei Minuten vor dem Ende einen Dreier – nur noch sechs Punkte Rückstand. Jetzt ist das Publikum wieder da und auch die deutsche Bank springt auf. Die Polen haben aber immer eine Antwort parat und den Fans ist klar: da geht heute nichts mehr. Einige verlassen schon vor der Schlusssirene die Halle. Am Ende kassiert Deutschland eine 76:88-Niederlage und muss nun um die Teilnahme bei der Europameisterschaft 2015 bangen. Mit hängenden Köpfen aber immerhin aufmunterndem Applaus der Zuschauer verlassen die Spieler das Feld.

Horst vom DBB-Fanclub ist noch da. Enttäuscht sitzt er auf seinem Platz. „Sie haben das dritte Viertel vergeigt. Gegen Österreich war der Wille da, das Spiel zu drehen. Der hat heute gefehlt“, bilanziert Horst.

Nicht nur die Fans, auch die Spieler und der Trainer sind enttäuscht, stellen sich aber den Fragen der wartenden Journalisten.

„Wir sind ohne Energie und Aggressivität ins erste Viertel gegangen. Im dritten Viertel machen wir die gleichen Fehler“, sagt ein sichtlich niedergeschlagener Bundestrainer. Kapitän Heiko Schaffartzik schlägt in die gleiche Kerbe. „Wir hatten zwei Phasen zu Beginn der ersten und zweiten Halbzeit, da sind wir jeweils schlecht gestartet. Jetzt müssen wir zusehen, dass wir unbedingt zweiter werden.“??????????

Deutschland steht vor den beiden abschließenden Gruppenspielen gegen Österreich und Luxemburg gewaltig unter Druck. Am Sonntag müssen sie in Hagen gegen Österreich unbedingt gewinnen, um zumindest noch zweiter in der Gruppe zu werden. Eine Leistung wie gegen Polen wird dabei aber sicherlich nicht ausreichen. Auf die lautstarke Unterstützung von Horst und den anderen Fanclub-Mitgliedern kann sich die Mannschaft aber verlassen.

 

Sebastian Koelman

21.08.2014 | 0 Kommentare

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